Dienstag, 26. Februar 2008

Nachbetrachtungen


Wie sie so sind, die Neuseeländer

Manche sagen, es liege daran, dass die Pionierzeit hierorts erst 150 Jahre her ist. Wo man ohne Nachbarschaftshilfe verhungert wäre, bevor man den ersten Quadratmeter Wald hätte roden können. Andere sagen, es komme von der abgeschiedenen Lage. Wo man grundsätzlich froh ist über Fremde aus der großen Welt da draußen und stets erpicht auf ein Gespräch. Wie dem auch sei – das genuine Interesse an gänzlich fremden Leuten, die Aufmerksamkeit, mit der man ihre Problemchen erfasst, die Zeit, die man sich nimmt, um ihnen zu helfen; und ihre eifrige Begeisterung für das Paradies, in dem sie leben – das hinterlässt einen immer wieder mal kopfschüttelnd: Warum tun die das für uns?

Da ist zum Beispiel jener Unbekannte im Pick-up, der mit Karacho übern Randstein auf die Wiese brettert, wo wir grade rasten und fragt, ob wir hier übernachten wollen. „O-oh“, denken wir uns, „das hier sah gleich so gepflegt aus. Sind wir vielleicht nicht erwünscht?“ Allerdings können wir seine Frage ehrlichen Sinns verneinen. „Ach so“, sagt er unbekümmert, „ich hätte nämlich ein tolles Plätzchen gleich da hinten gewusst. Na, macht’s gut!“

Dann ist da der junge Mann, der in den Waschsalon kommt, als ich ratlos vor unserer nicht schleudern wollenden Maschine stehe. Sein „How’s it goin’?“ fasse ich als die verbreitete Grußfloskel auf, kann aber doch meinen Unmut nicht an mich halten und benenne das Problem. Wir unterhalten uns ein bisschen, er stellt fest, dass wir im Van nicht wirklich was mit nasser Wäsche anfangen können und bietet an – er wohne bei Freunden hier – dass wir unser Zeug bei denen daheim auf die Leine hängen können. Einsam supernett, aber wir wollen eigentlich weiter, werden also noch mal in einer anderen Maschine kurzwaschen, auf einen Schleudergang hoffen und dann den Trockner anwerfen.
Er geht wieder. Jetzt erst stelle ich fest, dass er nicht hier war, um seine Wäsche zu waschen. Sondern wegen mir. Er und die Freunde sitzen nämlich nebenan im Café und haben wohl schon eine Weile beobachtet, wie ich vergrübelt bis missmutig hin- und herrenne; und – typisch Kiwi – helfend eingegriffen.

Und dann ist da noch – unter vielen anderen, die mal eben den Weg vorfahren, uns die Zeitung schenken, am Berg wie alte Bekannte grüßen – unser Hostel-Manager Campbell. Der – obwohl’s ihm ziemlich wurscht sein könnte, was seine Gäste so treiben, solang sie ihre Zeche zahlen – es nicht auf sich beruhen ließ, dass immer wieder welche darunter waren, deren überteuert gekaufte Autos zu ihrer Verzweiflung nach ein paar Tagen eingingen – sondern stattdessen car-inspector Ken ansprach, ob er nicht zuverlässige Autos an- und „seinen“ Backpackern verkaufen wolle. Der uns am Schluss anbot, den Van für uns zu verkaufen, falls wir es vor der Abreise nicht mehr schaffen. Trotz der leicht schiefen Optik, wenn der Manager des Hauses seinen Gästen was andreht. Und ohne Provision.
Einfach gold, diese Leute.

Donnerstag, 14. Februar 2008

Nachtrag: die letzte Woche in Neuseeland (5.2. bis 9.2.2008)


Denjenigen Neuseeländern, die der Arbophilie frönten, möchten wir an dieser Stelle danken: Danke. Danke für den Einsatz zur Rettung der letzten Kauri-Baumbestände der Welt.
Nach einem ausgiebigen Frühstück im „Byzantium“ machten wir uns am 5. Februar auf, den hohen Norden zu besuchen. Trotz des damoklid über uns hängenden noch zu bewerkstelligen Autoverkaufs und der bereits erwähnten Eric-Muskelentzündung (ja, da ist was zum Entzünden) brausten wir rasant durch Helensville und Wellsford bis Brynderwyn, von wo aus wir uns weiter nach Westen zur sogenannten Kauri-Coast durchschlugen.
Da wir planen ein eigenes Traktat zum Kauribaum zu verfassen, möchte ich mich hier kurz fassen: Besuch des Kauri-Museums und grandioser Ausflug in die Kauriwälder (siehe Foto 1). Dann war’s aber auch schon wieder Zeit für’s Abendessen. Als Kulisse ein genialer Aussichtspunkt am Hokianga Harbour ... (kein Foto hierzu)
Falcos Todestag ist den Neuseeländern besser bekannt als Waitangi-Day. Vor nunmehr 168 Jahren haben die von französischen Besitzergreifungsversuchen hochgeschreckten Engländer einen fiesen Coup gelandet: Der Vertreter der englischen Krone ließ die versammelten Maori-Häuptlinge einen missverständlichen Vertrag unterzeichnen, der den Engländern quasi das Regierungsrecht im Maoriland sicherte (mehr auch hierzu in einem selbständigen Artikel, so es noch dazu kommt :-) Wir nutzten die Gelegenheit und waren für euch vor Ort, nämlich im nämlichen Waitangi. Die alljährlichen Demonstrationen und Kundgebungen wurden heuer durch zur Genüge anwesende Uniformierte entschärft. Folge war eine Art riesiger Jahrmarkt mit Unterhaltungsprogramm für die Unmassen von Aus- und Einheimischen (siehe Foto 2 oben). Diesen Massen zu entgehen, schifften wir uns alsbald ein, um die andere Seite der Bucht zu erkunden. Hier hat in den Jahren nach 1840 ein Maori-chief (Honge Heke) den britischen Fahnenmast in Russel, der damaligen Hauptstadt Neuseelands, viermal umgesägt – quasi eine maibaumstehl-ähnliche Aktion, die aber von den Briten nicht mit dem obligaten Fass Bier honoriert wurde, sondern schließlich zu den neuseeländischen Landkriegen führte ... (siehe Foto 2 unten). Wir schafften es, auch dieser Idylle zu entkommen und übernachteten auf der Strecke nach Auckland in der Nähe einiger von Wahlneuseeländer Hundertwasser entworfenen Toiletten (!!!)
Am Weg nach unten liegt ein böhmisches Dorf: Puhoi. Rund 70 Einwohner der Gegend um Pilsen machten sich in den 1860ern hierher auf – in Vorfreude auf eigenen Grund und Boden. Den bekamen sie dann auch, in Form von dichtem Urwald, in dem sie erst mal fast verhungert wären. Aber dann ging’s bergauf und brachte Neuseeland böhmische Tänze und Trachten.
Der Abend sah uns bereits wieder in Auckland neue Flugblätter in Hostels verteilen und den bereits beschriebenen Vorstoß an die ACB-Front unternehmen.

Gärten und Gäule


Mo, 04.02.
Nach stilvollen Gärten aus aller Welt in Hamilton noch ein kleines Highlight: die Rasse- und Klassepferdeauktion in Süd-Auckland. Hochtourige Hottehühs, die vor Nervosität die Arena zusch...en. Bis zu 60.000 Dollar (35.000 Euro) sehen wir pro Gaul übern Ladentisch gehen.
Abends eine Hosteltour mit unseren Flugblättern, die nicht wehtut.

Sonntag, 10. Februar 2008

Bye-bye, Akira!


10.02. Abflugtag!
Elf Uhr drei vormittags. Oh Mann! Erleichterung. Wir haben’s geschafft: Unser Akira hat ein gutes Plätzchen gefunden – aber es war hart. Die ganze letzte Woche im Nordland war unterlegt mit einem feinen Teppich ängstlicher Spannung. Mit Highlights wie den Kauribaumriesen; mit Tiefs á la „Keiner will unser Auto.“
Wir haben sicher 25 Hostels in ganz Auckland angefahren, Zettel ausgehängt. Kein Schwein ruft uns an. Wir haben’s ins Internet gestellt, kein Schwein mailt uns. Dabei ist er doch ein guter, der Akira! Wenn auch hauptsächlich innerlich ...
Wir haken ab:
Plan A: Internet. Kein Erfolg. Wir schreiben zwei Kaufgesuche an, einer sagt nach etwas Gemaile schließlich ab, die andern antworten gar nicht.
Plan B: Hostel-Aushänge. Kein Erfolg. Ein Anruf kommt, wir sind grad der Fahrt und Mela derglengt in der Hektik das Handy nicht aus ihrer Cargotasche. In-den-A...(pfel)-beiß’! Wir rufen zurück, es kommt ein Fax-Ton.
Plan C: Unser Hostel. Es schneit jemand rein, frisch vom Flieger, der ein Auto braucht. Kein Erfolg. Am 09.02. abends treff ich einen Deutschen, der grad von seinem Zimmernachbarn ein Auto gekauft hat. Ein Van wär’ ihm lieber gewesen. Wären wir gestern schon hier gewesen, statt uns die Nacht zu sparen und im Park zu schlafen, dann hätte er bei uns gekauft. Doppel-in-den-A...-beiß’!
Plan D: Automarkt in der Innenstadt. Kein Erfolg. Acht Vans zum Verkauf, zwei Käufer in 4 Stunden. Einer kauft ein Auto, der andere nix. Wenn das mal keine Pechsträhne wird.
Jetzt werden langsam die Pläne knapp. Plan E ist der Automarkt außerhalb der Stadt – größer und aussichtsreicher. Und wenn alle Stricke reißen, hat uns unser unschlagbarer Hostel-Manager zugesagt, er würde das Auto für uns verkaufen. Ohne Provision.

Aber am 09. abends packt uns doch ein bisschen die Panik und als wir in der Hostelküche hören, wir sollten uns doch einfach vors größte Hostel von Auckland parken und ein bisschen Werbung machen, da lassen wir unser Abendessen sausen und machen das. Die Zwanzigste ist Svenja. Ja, sie sucht wirklich einen Van, bleibt ein Jahr und wirkt supernett. Wir verabreden uns, dass wir sie morgen früh mit raus zum Markt nehmen – da können wir einen Mechaniker-Check und im Fall des Falles die Ummeldung machen. Und fair genug: Sie kann sich noch was anderes ansehen.
Sonntag morgen regnet es. Das erste Mal seit langem. Wir fahren gemeinsam raus, das Wetter lädt nicht unbedingt dazu ein, sich die anderen 30 Vans genauer anzuschauen. Lieber ein Kaffee unter Akiras Heckklappe. Sie will sogar fischen lernen, Eric gibt ihr einen Schnellkurs, seine Ausrüstung bleibt sowieso da.
Ein junger Pakistani möchten eine Testfahrt. Machen wir auch, gefällt ihm, er möchte einen Mechaniker-Check. Hm. Jetzt stellen wir Svenja vor die Wahl – sie war schließlich zuerst da. Und sie will ihn. Ohne den 90-Euro-Check. Wir kennen uns jetzt. Juhu!
Nach Aufstehen um 6, nach einer sowieso durchzogenen Nacht der Entscheidung zwischen Abschiedsschmerz und Vorfreude, ankommen am Markt um 8 und offiziellem Beginn (für Käufer) um 9 sind wir um 9.17 auf dem Rückweg in die Stadt.
Hier ab zum Bankomaten, ins Hostel für die Versicherung, ein sentimentales Abschiedsfoto mit unserm Schatz und viele gute Ratschläge. Bye, bye, Akira! Uff! Heul! Freu! (mela)

Samstag, 9. Februar 2008

Der Weg nach oben


So, 03.02.
War nicht so ereignisreich. Hauptsache Richtung Auckland, denn da müssen wir vorbei, um unser Auto auszuhängen. Eric gehandicappt vom Schmerz, Mela vom Linksverkehr, Eric von Melas Fahrgeschwindigkeit, die doch tatsächlich an die erlaubten 110 km/h grenzte. Eine kleine Auswahl lokales Biobier wurde eingeladen. Awakino-Schlucht war schön. Die berühmten Glühwürmchenhöhlen von Waitomo machten wir dann doch auch. War auch schön, die stille Bootsfahrt unterirdisch, mit Lüstern aus leuchtendem Larvenschleim. War auch viel Eintritt.
Dafür ist abends – wir parken vor einem Kiwihaus, das wir morgen besuchen wollen – einer der Locals so nett, uns zu verraten, dass wir sie auch gratis heute ab 9 im Freigehege sehen könnten. Was uns den ersten (und letzten) lebenden Kiwi unserer Reise beschert. Juhu. Dafür lassen wir uns auch von der 1001ten, 1002ten und 1003ten Sandfliege beißen.

Eins-Zwei-Eins-Zwei


Sie trugen zwar wenig zur Erholung bei, waren aber durchaus abwechslungsreich – Jedenzweitentagsausflüge. Selten war eine Übereinkunft zwischen Host und Wwoofern so stimmig: ein Tag arbeiten, ein Tag frei – juhu! Fels- und sandbestrandete Strände, flussdurchflossene und farnbewaldete Wälder, historisierende und museal anmutende Museen und allabendliche Abendveranstaltungen (u. a. Privatkino) waren vor uns zwei beiden nicht sicher. War echt nett da. Ja gut, erwischt. Es hat mir gefallen. New Plymouth hat einiges zu bieten, und könnte man sich einen Ort aussuchen, um dort zu bleiben, dann wär es hier schon sehr schön – zwischen Vulkan und Meer, da, wo einige Maorichiefs lange vor Ghandi den gewaltlosen Widerstand probten, wo andere Maorichiefs Kriege begannen, und wo erstmals in der Verschiffungsgeschichte Butter so gelagert wurde, dass sie den Transport nach London heil überstand. So Gott und die Air New Zealand wollen, werde ich daheim einen Nachtragsblog über die neuseeländische Geschichte verfassen ... (eric)

Nachtrag
Zur Genialität der Hosts trug, nicht zu vergessen, ein schlicht perfektes Heimkino über der Garage bei: etwa 30 Sitzplätze für die Freunde vom Filmclub, hunderte DVDs aus der Arthousefilmsektion, eine maximal große Leinwand, Sofas, Teppich, Sichtdachbalken, edle weiße Vorhänge. So sahen wir den genialen „Jeanne d’Arc“ von Dreyer (Stummfilm, sehr expressiv). Andernabends gab’s den viel mühsameren Godard „Tout va bien“.
Auch bei trug ein Barbecue mit Freunden, worunter sich der PR-Chef von Helen Clark befand. Was ihrerseits die Premierministerin dieses schönen Landes ist. Ein scharfes Foto von uns brachte er allerdings nicht zustande. Schön schwach.
Auch bei trug der riesige städtische Park gleich neben unserem Garten, wo per Sommerfestival jeden Abend Konzerte waren. Eine Bigband, eine Maori-Tanztruppe, die mit viel Spaß und Kindern Poitänze und Hakas aufführte. Klasse.
Auch bei trug der grandiose Pool, den wir nach der Arbeit (oder dem freien Tag) bespringen konnten.
Und nicht zuletzt bei trug noch die Geschichte von der Leiche im Keller, soll auf Neuseeländisch heißen: dem Pinguin im Gefrierschrank. Was macht man auch mit einem geschützten Gelbaugenpinguin, wenn der sonst so friedliche Haushund ihn mal gerissen hat? –
Jetzt liegt er schon 20 Jahre dort. Genau wie die Reste der Hochzeitstorte.

Hard Times


Okay, müde hin. müde her. Wenn man das Tief einmal überwunden hat ... dann geht es meistens genauso weiter. Schuften, schuften, schuften. Puh :-) Die folgenden Tage mussten wir Schulklassenzeichentische wischen, Begabtenmalwettbewerbszeichnungen arrangieren, Verwilderungsgoarseweidezonen beschneiden, Jungkuhohren markieren (die Ohren von Kälbern tackern), Altkuhvorderfußhornauswüchse schnoaten (zwicken und hobeln), ebenso die von Pferden (da fällt was ab!), Farmtierausscheidungsverhärtungen schaufeln, Elektrozaunverdrahtungsmasten setzen und Pferderückenschweißrückstände abwaschen. Der Rücken biegt sich, die Sehnen bersten, Rotz trieft aus der Nase. Man kennt das ja – Überanstrengungsmerkmale erster Güte. Aber es wird alles wieder gut. Ich kann das jetzt so schreiben, denn inzwischen sind viele Tage vergangen und ich sitze gerade auf dem Automarkt und warte auf potenzielle Käufer für unseren Akira. Wie auch immer: Inzwischen ist meine Schulter wieder einigermaßen okay. Fans, macht euch keine Sorgen :-) (eric)

Kommentar
Goarse ist jenes irre Dorngestrüpp im Bilde.
Erics Schulter war am Tag nach unserer Abfahrt von New Plymouth (am 3.2. also) so weh, dass er nicht aus seinem T-Shirt kam, ohne meine geschätzten Hilfestellungen. Muss eine Art Muskel- oder Sehnenentzündung gewesen sein. Naja. Mit Schmiere von Diana, Fasche aus der Apotheke, Parkemed aus der Reiseapotheke und Mela am Steuer des Akira wurde es langsam besser. Letzteres war aber wohl nur für die Physis des Beifahrers zuträglich ...
Das Schuleputzen war voll nett. Diana unterrichtet nämlich Kunst in einem recht abgelegenen Ort und hat uns netterweise auf dem Weg auch noch einen super Strand und ein Heimatmuseum gezeigt.

Sonntag, 3. Februar 2008

Ein bisschen Maorilegende: Taranaki



Die Maori glauben ja bis heute, dass der Mount Taranaki einst zum Stamm der Vulkane von Tongariro gehörte. Er musste von dort fliehen, weil er von Tongariro selbst mit dessen Freundin, der schönen Pihanga (der Vulkan beim Tauposee), bei was auch immer erwischt wurde. Auf der Flucht hinterließ der Taranaki jedenfalls eine tiefe Furche in der Erde: den Whanganui River (den sind wir, wie der aufmerksame Leser sicher memorieren kann, im Kanu hinuntergefahren). Entehrt und und scheinbar zutiefst verstört floh er in Schleifen also erst nach Süden und dann nach Westen – wahrscheinlich waren ihm die „Northwesterlies“ im Süden zu stramm. An seinem jetztigen Platz steht er nun in majestätischer Einsamkeit und vergießt seine Tränen um die Geliebte und überhaupt ... Weltschmerz en gros – man versteht das ja. Jedenfalls verbirgt er, so glauben wiederum die Maori, sein Gesicht hinter einer Wolke aus Tränen. Das mit der ständigen Wolke können wir bestätigen, aber ansonsten kommen wir zum Schluß, dass der Maori an sich wahrscheinlich auch nur ein ziemlich leichtgläubiger Polynesier ist. (eric)

Müde Krieger


Mi, 30.01. Was soll eine 33-Jährige da Besseres sagen? Hatten heute zwei Starts; der erste ging fehl. Hosts meinten es gut, wollten uns auf eine 4-Stunden-Wanderung schicken, die eigentlich eine 5-einhalb-Stunden-Wanderung war. Wir, nach Einholung dieser Info in der Stadt wieder retour – wir müssen schlafen. Schlafen bis halb eins mittag. Es war nötig.
Danach wird es mehr mela-ericig: ein urbaner Kaffee, ein Schlender durch Shops, eine Kunstgalerie, ein Schlender am Strand, ein Aussichtshügel. Ahh! Was für ein freier Tag. Es folgen ein Poolschwumm, ein gebratener Fisch mit allerlei lecker Gemüse und ein Bigband-Sommerfestival-Konzert-im-Park. Das’ fein! (mela)

Erlaubte Allüren

Knack. Blinzel. 29. Jänner. Nachdem wir gestern an unserem Traveltag den Forgotten Highway durchmessen haben und auf dem Weg dorthin auch am Tongariro bzw. am Ngauruhoe vorbeigekommen sind, ... knack. Die Hüfte wiederum ... Ja ja, das Alter, klammheimlich schleicht es. Nachdem also haben wir unser Zimmer beim neuen Host in New Plymouth bezogen. Edwardianischer Stil, Herrenhaus, unseren Ansprüchen trotz Spinnweben genügend, mit Privatpool und Motocrossrampengelände für die Söhne des Hauses. Mit der Dame des Hauses, Diana, ihres Zeichens Lehrerin für Kunst, geht’s heute ab auf die 15 Minuten entfernte Farm. Eigentlich. Knack. Blinzel. Eigentlich nur Paddocks mit Shed, vier Zuchtpferde fürs Springreiten bzw. Zucht. The day befor yesterday und der Tag davor: Puuh! Für einen Vierzigjährigen ein bissl sehr ... Knack. Ich drück meine Schultern wieder zurecht. Die sind auch hin. Heute also waren wir am Paddock und haben unendliche Flächen Dorngestrüpp gerodet. Urbarmachung. Grasland für das edle Tier. Mein Atem stockt, geht dann aber doch weiter. Blinzel. Mein Auge bricht. Fast. Ich tropfe vorher was hinein, Hylocomod – vom Arzt oder Apotheker empfohlen. Wer wirklich bricht, ist der Hund des Hauses: Patches. Er hat ein bereits totes Kaninchen gefunden und verzehrt. Das behagt nicht. Weder ihm noch mir – er atmet in mein Gesicht. Weiter durch die Dornenwand. Was soll ich noch weiter erzählen? Ich bin sowas von tot. Übrigens: Gerade kam die Katze herein und sabberte mir aufs Knie. Gott, was bin ich tot. (eric)

Grundsätzliches über Neuseeländer: The Shed – Part 1

Seit seiner Kindheit lebt Steve in derselben Straße wie Graem, direkt gegenüber. Und schon jahrzehntelang hängen beide in Graems Shed ab. „Mein Shed“, sagt Graem, „ist nichts Besonderes, aber er hat alles, was ein klassischer Shed braucht: ein mit Stickern übersäter Kühlschrank fürs Bier, gerahmte Poster von FJ Holdens, eine Kollektion von Blues-CDs und -Kassetten, eine mächtige, solide Werkbank (die er aus dem nahen Fluss gezogen hat), einen „potbelly oven“ für den Winter und – eine Seltenheit – einen Kalender mit Topless-Girls.“ Während Graem gemächlich einen 1948er BSA Bantam aufhängt, gibt er „advice for young blokes“: „buy a shed, when you marry – you need a space you call your own.“ (aus: Mark Thomson, Blokes and Sheds, Sydney 1995)

Oldtimer und Old Times


Unser letzter Tag in Ohakune bringt uns die Mitglieder eines Oldtimerausfluges ins Haus. Eric macht eifrig Fotos für das Lokalblatt (z. B. Foto 1), während Mela einen Pferdetreck begleiten darf. Bevor nachmittags der Regen einsetzt, müssen noch ünsähligö Euballön eingebrascht werdön – die gestern neu angekommenen drei Franzosen helfen mit, bekommen aber schon rein gar nix gebacken: Das Aufschlichten der Heuballen im Stil der „good old times“ wird deshalb Mela überlassen, was eigentlich schon alles sagt :-) Das Resultat allerdings stellt alle Befürchtungen in den Schatten (Foto 2)
Linda und Mela verräumen das Geschnittene: Die Äste auf einen Haufen, die Stämme über den Graben auf eine Koppel, wo man mit dem Anhänger zufahren kann. Das Stämme-Werfen artet in einen Kugelstoßbewerb aus, mit Haltungsnoten und Fehlpunkte für Grabenkrepierer. Dem Paddeltraining sei Dank geht das Schmalz in den Oberarmen nicht aus. Übrigens: Wer findet den Anschlussfehler?

Freitag, 1. Februar 2008

Statistischer Anfall



Sue, Don, Virginia, Callum, Veronica, Trish, Wayne (Hosts, Verwandte und Friends); 16 Pferde, zwei Katzen, zwei Hunde, vier Ziegen, drei Schafe, zwei Hühner, ein Hahn; Wwoofer: Antonia: english, 21, English Literature in Cambridge, Horsetrecks; Jules: deutsch, 21, abgenabelt von Deutschland, Computer; Philipp und Linda, 25 und 26, deutsch (Leipzig und Dresden); 3 Franzosen (swai Kösche, ain Carpentier sprisch Simmörmann), lyonnaise; Lennard: holländisch, 20, schreibt gerade ein Buch über den Aufstieg der Lappen, auch Onkel ist Literat, Nervtöter.
Nachdem wir gestern wieder einen ereignislosen Tag mit Pferde-Zu-Schanden-Reiten und Puzzlespielen verbracht haben, kommte heute (So, 26.1.) der wirklich harte Job: Eric soll motorsägen mit einer echten Motorsäge. Vorher müssen allerdings noch bockige Ziegen- und Schafböcke aus dem Weg geräumt werden. Uff!

Harte Mädchen, sture Jungs



Do, 24. Jänner: Sue ist wieder da und übernimmt das Regiment. Aufräumen nach dem Sturm ist angesagt: Mela klaubt Äste und Zweige rund ums Haus, Eric betreut die Kompost-Feuerstelle. Idealerweise wird dabei unsere nasse Wäsche auf der Leine gleich wieder geräuchert.
Nach der Vormittagspause wird’s interessanter: Wir legen einen Landschaftsgarten an. Heißt: auf einem Streifen neben einer Lacke erstens Gras niederhacken, zweitens Zeitungspapier fünflagig drüberbreiten, drittens halbverdorbenes Heu drauf und viertens unseren Anhänger Pferdeäpfel. Befriedigend, das. Und lustig, zu mehreren. (siehe Foto 1)
Nachmittags: reiten auf der Koppel. Melas Peter ist eine Welsh-Pony-Mischung, ein Mann mit Allüren, stur und sehr gescheit. Ohne Gerte rührt er sich nicht, mit ist er das aufmerksamste Pferd ... ziemlich witzig. Mela versucht sich mit abendlichen Apfel-Besuchen auf der Koppel einzuschleimen. (betrachte Foto 2)

Puzzlemania

Nach getanen Mühen haben wir uns aber echt was verdient. Und was gibt es da besseres als ein neues Puzzle anzufangen. Jeden Tag aufs Neue schaffen wir es, unseren inneren Schweinshund zu überwinden und wieder eins anzufangen – na gut, in vier Tagen sind’s drei. Aber wir sind glücklich dabei. Das macht wenigstens keinen Muskelkater oder Schwielen am Hintern. Das Bild dazu ging leider verloren (bzw. habens die Deutschen ...)
Und noch was Neues probieren wir heute aus: den Schlüssel wirklich im Auto einsperren. Mela will den Schlüsseldienst rufen, Eric sucht Draht.
Zwei Leute kommen unabhängig voneinander auf die absurde Idee, den Toyota-Schlüssel unserer Mit-Wwoofer an unserem Mazda auszuprobieren und siehe: Er tat sich auf.
Ausarten tut das Ganze trotzdem noch in einen Workshop im Auto-aufbrechen: Schlossknacker-Eric war mit dem Draht erfolgreich und lernte vier weitere begeisterte Ganoven-AspirantInnen an.

AUSRITT oder „Der Mann, den sie Pferd nannten“



Antonia als Treckführerin bringt uns an den Rand der Wildnis – gleich neben der Motocrossbahn. Und auch wenn wir einmal komplett chaotisch aufeinander aufgaloppieren – es ist klasse. Für Eric überhaupt der erste Ausritt. (Foto 2: Antonia, Mela. Linda, Eric)
Eric, Jimmy und Mount Ruapehu (Foto 1, links) – wenn das nicht gleichermaßen professionell wie romantisch aussieht! Aufgesessen kommt das allerdings gleich ganz anders rüber (Foto 1, rechts).
Wir reiten also wie die Wilden, sodass unsere Pferde letztendlich zusammenbrechen und wir ihnen den Gnadenschuss geben müssen. Sue ist wenig amused. Wir versprechen den Schaden zu ersetzen. (Foto 3)

Leipzig meets Cambridge

Nächsten Tags gibt’s noch mal feinen Regen, darum die Fernanweisung von Sue: Fenster putzen. Stöhn. Alle Fenster der Farm. Dazu zwei Motelzimmer saugen, Bäder putzen. Mit einer weiteren Wwooferin, Antonia aus England, sind wir vier (bzw. fünf) aber schnell fertig und machen noch eine gemütliche Runde über die Koppeln auf der Suche nach giftigen Unkräutern, von denen so wenige stehen, dass wir spaßeshalber drum kämpfen. Mittags wird das Wetter besser – wir reiten aus!

Back to the coalmine



Di, 22.1. Ohakune. Puh. Jetzt wird aber wieder mal gearbeitet! Vorstellig wurden wir ja schon bei der recht resolut wirkenden Sue. Also mal sehen, was kommt. Wie sich rausstellt, ist Sue aber zwei Stunden entfernt das Auto eingegangen. Mit Pferd hintendran. Empfangen werden wir von ihrer Schwester und einem Freund des Hauses, Wayne, der uns die Arbeit zuteilt: Pferdemist einsammeln wieder mal. Diesmal keine steile Koppel, aber dafür bei Wind und Sprühregen. Die anderen beiden Wwoofer sind auch heute angekommen, zwei Deutsche Mitte zwanzig: Philipp und Linda. Wir dürfen eine Stunde früher Schluss machen und Linda packt ein Puzzle her, das uns den Rest des Tages sehr friedlich beschäftigt. Geschlafen wird weiterhin im Van. Zimmer gibt’s keins und der angebotene Wohnwagen bringt nicht wirklich einen Gewinn.