Mittwoch, 26. Dezember 2007

Eine kleine Bergpartie

20/12/2007, St. Arnaud, „Nelson Lake National Park“, Südinsel, Neuseeland. Früh aufgestanden für 5-Stunden-Wanderung. Schon wieder geduscht. Frühstück nur Zerrealien :- ) Fahren mit Akira zum Ausgangspunkt in 1100 m Höhe. Luft wird spürbar dünner. Würste, Käse, Brot, Energieriegel und Unmengen Wasser eingepackt. Es geht los. Schimmelnde Schimmelwälder mit Spinnweben und Farnen. 350 Höhenmeter später der erste Shelter. Keiner da. Weiter also. Flacher jetzt bis zum Gipfel. Aber nochmal 150 Höhenmeter. Kein Gipfelkreuz. Wind. Sonne. Drei-Wetter-Taft. Kein Kea unterwegs. Kein Verweilen. Zweiter Shelter. Flache Alm. Wir sind auf der anderen Seite und haben Ausblick auf den See. DOC-Hütte mit Deutschem aus Schleswig-Holstein. Wir lesen’s im Hüttenbuch. Er tut so, als verstünde er uns nicht. Wir tun auch so. Stärkung ist nötig. Bananenriegel gigantisch gut. Wir verputzen alles andere auch. Weiter geht’s. Bergab. Deutsche kommen uns entgegen. Unleugbar. Sprechen trotzdem Englisch. Es ist eh nicht mehr weit bis zur Talstation, versprechen sie (auf Englisch). Brauchen dennoch lange. Sehr lange. Wälder wie bei Blair Witch. Bachüberschreitungen. Vogelkunde: ein Robin? Ein Hut auf dem Weg. Nehme ihn mit. Vielleicht find ich ja sein Herrl. Hähä. Endlich wieder am Parkplatz. Ich frage. Der Hut gehört keinem. Fußweh. Socken ausziehen. Jetzt ein Kaffee oder was anderes zu essen ... (eric)

Anmerkung: Die 5-Stunden-Wanderung dauerte übrigens nur 3 ½ Stunden, darum hatte der Gute noch Fiebrigkeit über (siehe folgende Geschichte). Man könnte natürlich jetzt sagen, dass das unsere Leistung schmälert, weil wir uns eben viel kürzer angestrengt haben. Wir aber einigen uns darauf, dass es uns vielmehr zum Ruhm gereicht, denn was eine 5-Stunden-Wanderung zur 5-Stunden-Wanderung macht, ist ja nun wirklich nicht die Dauer. Es sind die Höhenmeter, die Distanz, die Menge abgesonderten Schweißes, die Menge eingespeister Power-Riegel, die Zahl der überstiegenen Bäche und der gefundenen Hüte. So können wir mit Stolz sagen, dass wir eine 5-Stunden-Wanderung in wesentlich kürzerer Zeit bewältigt haben, was uns für eine demnächste 8-Stunden-Wanderung nachdrücklich empfiehlt. (mela)

Sheldon ist tot! Es lebe Sheldon!

Seit ich 18 war, hab’ ich nicht mehr. Ich hab’s seit dieser Zeit nicht mal mehr versucht, aber wer es auch nur einmal gemacht hat, dem geht es dann nie mehr aus dem Kopf. Das geht wohl jedem so. Na jedenfalls hatte ich’s mir hier für Neuseeland vorgenommen und wollte es erst mal heimlich machen! Das stelle man sich mal vor, tja, aber gekommen ist’s dann ganz anders. Es war nämlich so: Nachdem wir im „Nelson Lakes National Park“ unsere Gipfel-Wanderung verschwitzt, aber zufrieden hinter uns gebracht hatten, wollte ich dem Ganzen noch ein kleines Krönchen aufsetzen und besorgte mir (zurück in St. Arnaud und aufgeregt ob des bevorstehenden überseeischen Höhepunkts) dann doch die benötigte Erlaubnis. Ja, die braucht man hier. Es muss alles seine Ordnung haben. Obwohl nun doch nicht heimlich, wollte ich dann aber wenigstens gleich. Wurde in meinem Eifer jedoch zurückgeworfen, da es in den kleinen Kaff nicht die nötige Ausrüstung gab bzw. alle Utensilien schon verborgt waren. Darum – nicht gezögert – ging es flugs ins benachbarte, nur 40 km entfernte Murchison, wo ich in einem Second-Hand-Laden um NZ$ 35,– alles bekam, was mein fiebriges Herz begehrte. Was sollte jetzt noch schief gehen? Um die Sache nicht unnötig in die Länge zu ziehen: Ich fand erst nicht die richtige Stelle und die Sandfly-Stiche an den nackten Körperstellen taten ihr übriges. So schliefen wir an diesem Abend ziemlich unbefriedigt und unsere Juckstellen kratzend ein. Entmutigt durch den ersten Misserfolg verließen wir am nächsten Morgen die Stätte der Niederlage und versuchten unser Glück nachmittags noch einmal. Neues Spiel, neues Glück. Und ... diesmal klappte es. Nach nur 30 Minuten holte ich ihn rein. 33 cm lang. Leider hatte ich keine Waage bei mir, aber er war schon nicht von schlechten Eltern. Im Freudentaumel und nach dem Exfreund, der bei „Harry und Sally“ leider nie auftritt, benamsten wir ihn Sheldon. Zur Feier des Tages nahmen wir in Westport ein Hostelzimmer und aßen ihn zum Dinner. Sheldon in der Pfanne. Mit etwas Schmorgemüse und einem leichten Weißen. Yum! (eric)

Bild zum Text



Sheldon in all seiner Pracht (gleich danach, viel später und kurz darauf). Sie sehen auf Fotos immer kleiner aus, als sie in Wirklichkeit sind. (eric)

How’s it goin’?

Es ist einfach nicht zum Aushalten. Egal wo du dich befindest, irgendwer quatscht dich immer an: Dave aus Denver an der Wasserzapfstelle „Hey guy, how’s it goin’“, bevor er dann an der Straße wartet und hofft mindestens 50 km mitgenommen zu werden. Jens aus Güterslohe vor dem Schaufenster für Sexartikel „How is it going, comrade?“, was weiß ich was erwartend. Und heute morgen sogar auf der Toilette: Ich summte gerade die Arie Nr. 5 aus „Le Nozze di Figaro“ gemütlich vor mich hin und bereitete mich so auf den fälligen Zahnwusch vor, da tönte es aus der Nachbarkabine „How’s it goin’, fella ...“. Und dann brabbelte der Aufdringling irgendwas von „... run out ... toiletpaper ...“ oder so. Ich hab ihn ignoriert. Nirgends ist man hier für sich allein. Man sollte sich wirklich irgendwann auch mal etwas Abstand verschaffen können. Also wischte und spülte ich, schnappte mir mein Döschen Weichspüler und ging Zähne putzen.
P.S.: Es ist durchwegs nett, wenn die Leute „ansprechend“ sind, aber nicht in jeder Situation. (eric)

Follow the strangers

Follow the strangers
Sa, 15.12., Nelson (Norden der Südinsel)
Man hat einen etwas knatschigen Tag hinter sich. Hat gestern im Dunkeln einen Schlafplatz suchen müssen, was immer nervig ist und heute leicht verschiedenerlei Bedürfnisse. Wie das halt so ist.
Man sucht gegen Abend erneut einen Schlafplatz. Die am Stadtplan erschaute Grünfläche ist live noch mords belebt: Jugendliche spielen Spiele auf dem Riesen-Rasen, Familien lassen die Kinder von der Leine; und irgendwie ... irgendwie scheinen manche von ihnen dem Hügel dahinter zuzustreben, wo ein kleiner Weg in den Wald rauf führt. Als sich aus den paar Einzelnen ein kleiner Besucherstrom abzuzeichnen beginnt, weicht die leicht resignierte Laune neuem Interesse: Hier findet etwas statt.
Und wir gehen mit. Reihen uns zwischen jene, die wissen, wohin das alles führt, mit ihren Decken, Kindern und Laternen. Tun so, als ob wir es auch wüssten. Wandern mit den hübschen Mäandern und finden: lebende Installation, zauberisch und lustig, in Stationen. Angeschriebenermaßen führt der Weg zur Mitte Neuseelands, welche just auf der Spitze dieses Hügels anberaumt zu sein scheint. Eine Sirene bläst Seifenblasen, Mela küsst einen Fisch, auf eine Frau im Lehnstuhl fällt das Licht schon von hinten, zwei Weihnachtsfrauen verteilen Stollwerck ... und dann ... betreten wir einen leicht hingeneigten Hang, wo sich Grüppchen auf der Wiese niederlassen, eine einschlägige All-girls-Band Folk-Hadern anstimmt, Kinder herumwieseln und einfach nur gülden die Sonne untergeht. Das Hippiepärchen vor uns winkt ein weiteres Hippie-Pärchen heran, es herrscht durchdringende Harmonie und wir – obwohl ohne Decke, Kind und Wein – fühlen uns beschenkt.

P.S. „Und, was war’s jetzt?“ – Der Auftakt zum alljährlichen Nelson-Sommerfestival, wie wir zwei Tage später aus der Zeitung erfahren. Fazit: Mit Fremden immer mitgehen – bringt’s total!

Follow the strangers



Mittwoch, 19. Dezember 2007

Fähre-fahren



Einfahrt mit der Fähre in die Marlborough Sounds, eine zer-inselte Landschaft im Norden der Südinsel. Eric ist leicht graugrün im Gesicht von den Wellenkämmen auf der Überfahrt.
Wir treffen auf sattgrün-verhangene Norwegerfjorde, am nächsten Tag auf türkise Buchten im leuchtenden Sonnenschein.

Welly

Wellington ist ein äußerst charmantes Metropölchen – wenn es nicht gerade windig Regen sprüht. Wohnblock-Einöden sind den individualistischen Kiwis ein Gräuel; und so haben sie die unzähligen Hügelchen rund um ihren genialen Naturhafen gleichmäßig bestreut mit unzähligen einzelnen Häuschen an unzähligen verwinkelten Sträßchen. Keine zwei sind identisch.

Das Markenzeichen der Stadt aber ist ihr rotziger Retro-Chic. Auf der Flaniermeile Courtenay Place dominieren Szene-Leute mit nonchalant-gewagten 80er-Kombinationen locker über ein paar propere Yup’s. Ein Schlender durch die nahe Cuba Street macht klar, wo sie sich eindecken: Vintage-Läden, Alterna-Designer in Mengen, die man sich in Wien nur wünschen kann. Die Autorin dieser Zeilen wurde eines derart hellblauen Original-60er-Jahre-Bikinis mit weiß geknöpftem Mega-„Höschen“ ansichtig, dass nur seine unleugbar tiefen Einschnitte ins eigene Fleisch und ein recht zweifelnd-, ja missbilligender Blick des Gesponses sie vom Kauf abhalten konnte.

Natürlich kann keine Cuba Street der Welt ohne ein ernsthaft linkes Café wie das Fidel’s auskommen. Hier ist jegliche Ambition gedrosselt; darunter kommen kopierte Flyer, dunkles Holz und der unverzichtbare Grind zum Vorschein. Die herrlichen Speisen konkurrieren mit dem schwülen Wellbelch-Gastgarten. Ein ernsthaft linkes Flugblatt muss allerdings gegen käufliche Castro-Devotionalien bestehen.

Mit ihrer pan-asiatischen Küche zeigt die Stadt eine ihrer virtuose Seiten. Im todschicken „Chow“ kann man anlässlich etwa des Hühnchen-Mango-Salats erst eines der Riesenminzblätter in den Mund nehmen, deren Frische mehrere Bissen lang vorhält. So lange hat man Zeit, die Gabel mit gerösteten Cashews, umschmiegt von frischem Korianderblatt, getunkt in etwas Kokos-Chili-Dressing zu füllen und die Geschmacksnerven liegen blank.

Das Vorzeige-Museum „Te Papa“ punktet mit hands-on-experience: Steine heben, Vögel zusammenbasteln, sogar ein Live-Urwald ist nachgebaut/-pflanzt worden. Mit einem Wort: Da müssen wir auf der Rückreise wieder hin!

Dienstag, 18. Dezember 2007

Meiner ist größer


Die Putangirua Pinnacles, hohe Schottertürme nahe der Südküste der Nordinsel, Drehort für die Dimholt Road im Herr-der-Ringe-Teil 3 (Pfade der Toten). Mit im Bild: unsere Mit-WWOOFERin Amy aus England.

Hard Work





Auf Melissas Farm hatten wir wirklich eine harte Zeit. Ich könnte nicht sagen, was das ärgere Training war: Springen oder Lachen.

Kleine Tierkunde – Teil 1

Das Possum (Trichosurus vulpecula) an sich ist ein bis zu 60 cm langer und 5 kg schwerer Pflanzenfresser und nicht zu verwechseln mit dem Opossum, das bekanntlich vor allem in den USA beheimatet ist. Der Possen gibt es viele: namentlich anzuführen sind hier der Federschwanzbeutler, der Honigbeutler, der Streifenbeutler, der Gleithörnchenbeutler, der Riesengleitbeutler, der Felsen-Ringbeutler, der Bilchbeutler und schließlich der Kusus. Letzterer hält sich vorzugsweise in Neuseeland auf und verwüstet dort ganze Landstriche. Deshalb scheint es auch nicht verwunderlich, dass hiesige Landwirte und Mitarbeiter der Forstverwaltung die Jagd auf den niedlichen Beutelsäuger propagieren. Als Standardwerk faunaler Literatur zu diesem Thema gilt “Walker’s Mammals of the World” von Ronald M. Nowak – sehr zu empfehlen für Autofahrer, die auf Possum-gefährdenden Strecken wie dem “scenic-drive” zwischen Waikanae und Upper Hutt nicht umhin können, einigen der Tierchen die Beutel von Innen nach Außen zu kehren. Dass es hier nur so von Possi wimmelt, wird durch die Tatsache verdeutlicht, dass wir auf nur zwei Kilometern der – nebenbei gesagt – herrlichen und großteils einspurigen Panoramastraße über sieben (nämlich genau acht) der Fellträger befahren vorfanden. Eines davon ist auf dem Foto oben zu betrachten: Man beachte die charakteristische, ausladende Hinterpartie und den flachen Kopf! Das Fell ist fluffig, die Farbe variiert von grau über weiß bis braun und schwarz (manchmal auch blutrot).(eric) P.s.: Dieser Kletterbeutler wurde nicht von uns erlegt!

Mittwoch, 12. Dezember 2007

Gibt's nicht, geht nicht (oder so)

Bei diesem Text handelt es sich um eine ausschließlich für mich selbst geschriebene Erinnerungshilfe, sodass mir das folgende küchige Ereignis mit all seinen Kleinlichkeiten memoriert bleibe.
Wie einst Phettberg zwischen Frucade und Eierlikör entscheiden ließ, so stehe ich heute vor der Frage, welches der beiden Erdbeerknödelrezepte, die wir vorsorglich aus dem Internet heruntergesaugt haben, ich verwenden soll, um unseren Hosts auf der Farm in der Gegend von Wairarapa (genauer gesagt: von Martinborough 10 km Richtung Süden; in der von sanften Hügeln gesäumten braungrünen Einöde) Genüge zu tun. Als gut, ich mache die einfache Variante mit 500 g Topfen, 60 g Butter, 200 g Mehl, 3 kleinen Eiern, etwas Salz, Vanillezucker und 12 großen Erdbeeren. Zu mehr bin ich heute nicht fähig, zumal ich solch Süßspeise auch noch nie zubereitet habe. Mela, in einem Anfall von Vorzeigelust, beschloss bei unserer Ankunft, mich dies tun zu lassen und unterbreitete unserer Gastgeberin den nämlichen Vorschlag: Eric macht das schon ...
Also gut. Ich wehrte mich nicht. Da steh ich jetzt! Und bereite vor! Und suche erst mal alle Sachen zusammen. Kann ja auch nicht so schwer sein, das. Butter wiegen und schmelzen. Die Küchenwaage ist leider etwas ungenau, sodass ich die 60 g nicht richtig abschätzen kann. Gut. Egal. Statt 500 g Topfen haben wir nur 350 g Quark und für die restliche Menge muss dann eben der Cottage-Cheese herhalten. Gut. Egal. Weiter geht’s: Ich vermische Topfen mit Eiern, Mehl, etwas Salz und der zerlassenen Butter. Heraus kommt eine Masse, die in ihrer Konsistenz an allzu weichen Kuhdung erinnert, und während sich vor dem Hintergrund einer orange untergehenden Sonne die Falter und neuseeländischen Gelsen die Nasen am Küchenfenster plattdrücken, stelle ich ihn kalt, meinen Brei. Ich hoffe inständig, dass sich da was tut – im Refrigerator, sonst werden das höchstens Spätzle, die wir zu unseren Erdbeeren essen können.
Jetzt aber zu den Butterbröseln, die da ja auch dazu gehören. In meiner Verwirrung lese ich statt jeweils 30 g Kristallzucker und Semmelbrösel 300 g von jeder Zutat. Erst nachdem ich alles in eine Plastikschüssel geschüttet habe, fällt mir der Fehler auf und ich versucher verbissen, die Bestandteile voneinander zu trennen. Erst auf der letzten Farm musste ich Mulch und Erde voneinander trennen (eifrige Blogleser wissen!). So schwer kann das ja auch hier nicht sein. So ist es: Nach zehn Minuten schweißtreibenden Auseinanderpickens schütte ich gut die Hälfte der untrennbar konglomerierten Masse einfach weg. Falsch. Damit es keiner merkt, trage ich die Tupperware voll des Ungemachs nach draußen und entlasse meinen Überschuß in hohem Bogen in die antipodische Freiheit. Man muß zugeben: Er hat es sich ja auch verdient. Jetzt aber rasch den Zucker karamelisieren und mit dem Semmelstaub keineswegs nährwertfreie Butterbrösel gezaubert. Eine herrlich kalorische Bombe.
Aus dem Kühlschrank entnehme ich hernach die Topfenmasse, deren Zähigkeit hoffentlich ... Entsetzen zeichnet mein von zuviel Neuseelandsonne gegerbtes Gesicht ... Da tut sich ja überhaupt nichts! Alles wie gehabt. Keine Spur von Verdickung oder Verzähung der Masse. Ich bin total verkümmert und will mir schon das Leben nehmen, doch Mela entwindet mir im letzten Moment den Stabmixer. Puh. Wieder mal einem grausamen Tod von der Schaufel gesprungen.
Trotzdem gibt es da kein Knödelformen und Teigenden-Übereinander-Schlagen. Die Erdbeeren schlabbern in einer zähen Masse umher und suchen schwerkraftgetrieben den tiefen Grund meines Hilfsknödellöffels. Mittlerweile sind bereits 50 Minuten vergangen und die Esser warten im angrenzenden Wohnzimmer – immer in Hör- und Sehweite. Was hilfts. Jetzt müssen härtere Geschütze aufgefahren werden: Flugs kommt der Grieß zum Einsatz mit dem wir löffelweise unseren topfigen Tümpel verdichten. Und wirklich – je mehr Grießzusatz, umso umsetzbarer der ursprüngliche Plan. Eines nach dem anderen entstehen schludderige Gebilde mit jeweils einer Erdbeere im Herzen, und schon vierzig Minuten später sind sie fertig: 18 bildschön verwerdagelte Erdbeertopfenknödel – von der Natur des Herstellungsprozesses gezeichnet.
Gastgeberin und Tochter sind begeistert und stellen Vergleiche mit jenem österreichischen Wwoofer an, der letzte Weihnachten einen Apfelstrudel von gigantischen 12 Metern (oder vielleicht auch nur 1,2 m) in ihrem übergroßen Backrohr gezaubert hat. Wir diskutieren nun gediegen über Zubereitungsweisen verschiedenster Süßspeisen, trinken neuseeländischen Weißwein und sind uns einig, dass früher alles besser war.
Die Mühe hat sich wieder einmal gelohnt. (eric)

Dienstag, 11. Dezember 2007

Dramolett


Gartenhütte, Tag (wenn auch früher).
Mela schüttelt ihre Hose aus, Eric wacht auf.

Mela: In meiner Jean war eine Spinne.

Eric steht auf, zieht sich an, schüttelt dabei seine Hose aus.
Eric: In meiner ist sie jetzt.

Mela: Ich glaub’, die mag feuchte Jeans.

Eric: Wer nicht?

Zu derart unschönen Szenen kommt es leider nur allzu oft, wenn ein Nähemensch auf einen Distanzhasen trifft. (mela)

Arbeits-Weisen



Nur damit ihr einen Eindruck kriegt, was ich hier arbeite (Mela) -







und was Eric.
Nur die Streifen sind dieselben ...

Bilderbuch





Unsere Farm ist eine „historic homestead“ am Ende einer langen, langen Schotterstraße. Hier regiert der bohémian Lifestyle. Alles wie im Bilderbuch: von den Verandapfosten bis zur Schiffbodenküche – Landhaus-Edel-Romantik.

Unsere Gastgeberin Melissa hat Dokus fürs Fernsehen gemacht. Nun lebt sie nur noch auf der Farm und genießt das Land. Ihr Mann ist Autor und Erfinder und lebt während der Woche im Haus in Wellington, als Nachbar von Peter Jackson. Sein Buch „Why cats paint“ hat sich in 8 Sprachen einige Millionen mal verkauft, es fehlt ihnen also an nichts.

Neue Ufer


Farm 2, Martinborough. Das In-Weindorf Neuseelands im Südosten der Nordinsel. Wo die Wellingtonians an den Wochendenden ihre Lattés schlürfen – oder natürlich am Sauvignon bzw. Pinot Noir nippeln: „Sideways“ auf neuseeländisch.

Begehbares Obst II


Als Orangenkäufer fühlt man sich hier wie die Made im Speck.

It’s the season ...


Man fährt in eine Kleinstadt ein, sagen wir Upper Hutt. Es ist schwül bis heiß. Mittag. Ich brauch einen Rachenspray, weil ich trotz allem Halsweh hab’. Von der staubigen Hauptstraße treten wir ein in eine Pharmacy, nehmen die Sonnenbrille ab; trotzdem brauchen die Augen kurz, um sich im Schatten zurechtzufinden. Irgendwie fühlt man plötzlich ein strahlendes Lächeln im Rücken, dreht sich um und steht einer blinkend weihnachtsmann-bemützten, – und strahlenden – Bedienung gegenüber. Die Beschreibung der Hals-Symptome findet in äußerst gelöster, ja verkicherter Stimmung statt. (mela)

Freitag, 7. Dezember 2007

Farm-Tag 6: Solche Schweine!


Mo, 3.12.
Jetzt sind wir wirklich warm mit unseren Gastgebern. Und sie mit uns, denn am Nachmittag kriegt Debbie das Heulen, als Roberts sechs kleine schwarze Schweine ihr piekfein gepflanztes Driveway-Mulchbeet verwüsten. Wir arbeiten vier (Über-)Stunden daran, aufgewühltes Papier zu beseitigen (das die Erde vom Mulch trennen sollte), Mulch von Erde und vom Auffahrtsrusel zu trennen. Als sie wiederkommt, sieht’s sauber aus. Dafür erzählen sie uns auch vom Badeplatz am Fluss, den wir am Dienstag, nach Befreiung ihrer schwer zugewachsenen Obstleite von Unkraut, und Abmähung/-mühung mit der Sense (dabei einen Bewässerungsschlauch durchschnitten – peinlich), bebaden. Die Hunde sind mit. Herrlich kaltes Wasser, Canyonlage – so lässt sich’s leben.

Nachtrag (eric): Na, gut, dass sie hier mal nicht schreibt, dass ich die ganze Zeit schnarche. Das waere ja auch noch schoener gewesen, die Tatsachen naemlich so zu verdrehen, weil in Wirklichkeit ja sie diejenige ist, die immer schnarcht. So, damit das mal gesagt ist :-)

Farm-Tag 5: Endlich frei

So, 2.12.
Heute haben wir echt frei. Und ich bin nicht verblutet. Eric liegt im Zimmer und schläft. Clay, der Fitnesstrainer, ist mit drei Schützlingen bei einem Marathon. Und ich mache mit Debbie einen Ausritt zum Strand! Mein erster Ritt ins Gelände – abwärts traben, huh! Franny hat allerdings die Angewohnheit, beim Traben in ein Tempo zu verfallen, das einem Rennpferd vorm Sulky Ehre machen würde. Ein physischer Kraftakt, sie zurückzuhalten, zumal ohne Trense, wie sie ist.
Aber Strandreiten ist natürlich klasse. Wenn man ins Wasser schaut, durch das man grade geht, wird einem derart schwindelig! Andererseits glaub’ ich auch, dass Leute, die am Strand jemandem aufm Pferd sehen, so überwältigend viel Neid haben, viel mehr als die Strandreiter selbst es überhaupt genießen können.
Ich habe leicht Kopfweh und will darum nicht galoppieren. Die Pferde sind aber natürlich heiß auf Bewegung und das macht mich etwas nervös. Aber wir halten es bei einigen (wieder etwas übereilten) Traben. Auf dem Rückweg gehen wir so viel Schritt, dass mein Popsch sich aufscheuert und ich bin richtig froh, als ich Eric im Zimmer schnarchen finde.
Abends zaubern wir für die Marathonläufer noch ein Mahl aus Rindsmedaillons auf Rosmarinsticks mit Olivenserviettenknödel und fallen bald ins Bett.

Nachtrag (eric) Also bitte. Ich bin wirklich annoyed :-) Ich schnarch wirklich nur dann, wenns sein muss ...

Farm-Tag 4: Adventures, adventures

Sa, 1.12.
Von ruhigem Landleben ist nicht die Rede. Man kann hier an einem Tag problemlos a. einen Wald abfackeln*, b. vom Pferd stürzen**, c. premierenhalber eine Ziege melken und d. eine Ladung Ziegenmilch von der Produzentin persönlich ins Gesicht und überall vorn drauf gespritzt bekommen***.

* O.k., fast. Und es war Clay, der eine Pinie auf den Strommast gesäbelt hat; das ist insofern „a problem“, weil hier ohnehin schon überall so Feuergefahr-Holztafeln mit regenbogenfarbiger Skala herumstehen, deren Zeiger dann auf ‚low’ oder ‚high’ oder ‚Grund zur Panik’ oder was immer stehen. Als wir nichts ahnend hinkommen, um den Baum mit dem Auto wegzuziehen, lehnt er schon an den Drähten, die Zweige rauchen. Während Clay weiter Stücke absägt, damit der Baum wegrutscht, fangen die Nadeln wirklich Feuer. Beim vierten Stück sackt er schließlich unter die Strommast-Grenze und legt einen sauberen Scherensprung über den Zaun raus auf die Straße, direkt neben ein vorbeifahrendes Auto. Es wäre nicht Clay, wenn er nicht auch dazu ein bübisches Grinsen auf Lager hätte.

** Ja, das war ich. *verlegen-grins* Debbie hat uns mit auf eine nahe Reitbahn genommen, wohl um zu sehen, was wir draufhaben, bevor irgendwas in Richtung „riding on our particular stretch of beach“, wie es im WWOOFer-Buch heißt, geschieht. Was soll ich sagen? – Es lief ganz gut. Das Leichttraben auf einem Pferd mit langen Beinen ist ja so viel einfacher als auf unserer Reitschul-Haflingermähre! Als Galopphilfe braucht man bei Franny grade mal dezent den Fuß nach oben schieben, dann geht’s schon los. Allerdings macht sie einen ziemlichen Satz rein in ihren canter, wie das hier heißt, da geht’s nicht ohne Festhalten. Ja, und dann ist’s wie üblich, dass ich halt in den Steigbügeln herumschwimme und mich eher mit den Beinen rund um den Bauch klammere als irgendwie souverän drinzusitzen. Hätt’ aber trotzdem hingehauen, wirklich.
Wäre da nicht ein völlig hirnrissig platzierter Oxer direkt neben dem Hufschlag gestanden. Ich hab’ wirklich nicht hingelenkt, echt nicht. Ehrenwort. Ich habe die Stute sicher nicht aus der Bahn auf das Hindernis gelenkt. Ich hab nicht am linken Zügel gezogen, ich schwör’s.
Sie ist einfach gesprungen.
Und ich hab ein Eitzerl zu wenig dran geglaubt, dass ich da obenbleiben kann. Immerhin, drübergekommen bin ich ja. Danach gleiten meine Füße sacht aus den Steigbügeln, der Oberkörper neigt sich grazil nach rechts, bis ich nach einer nahezu perfekten Flugphase in leicht linksseitiger Rückenlage lande. ...
Ein paar Schürfer und etwas atemlos, aber gleich wieder rauf aufs Pferd, da hat Debbie durchaus recht. Abends fühlt es sich im Bauch irgendwie klumpig an. Ich stelle mir vor, dass ich über Nacht jämmerlich und einsam innerlich verblute, während Eric neben mir schnarcht.

***Das war so. Wir drehen, schon halb versöhnt nach der Abwechslung mit dem brennenden Baum, noch eine Runde übers Anwesen, um unser Tagwerk zu begutachten und uns gegenseitig zu loben, da kommt jemand die Einfahrt herauf. Ein Mann in Arbeitskleidung und Flipflops, mit einer Colaflasche, einem Sack Brot, einer Ukulele und einem Ziegenbaby unter dem Arm. Hinter ihm her trappelt und stampft die nervöse Ziegenmutter. Es ist der Nachbar, Robert. An mir lädt er gleich mal die kleine Ziege ab. Auf dem hölzernen Verandadeck geht’s dann ran ans Euter: Hand einölen, oben zupressen und die Finger systematisch nacheinander schließen. Mit viel Kraft geht wirklich was raus! Die Mama muss natürlich an die Wand gequetscht bzw. rundum festgehalten werden. Eric übernimmt dabei das hintere Ende. Er hält ihre Hinterbeine fest, die immer wieder mal hochzucken. Und im genau richtigen Moment, als die Aluminiumschüssel schon richtig voll ist, schlägt sie aus, die Schüssel fliegt und Eric wischt sich Augen, Mund und Nase. T-Shirt und Hose sind saugstark bekleckert; wer minutenlang herzhaft ausgelacht wird, kann man sich denken ... (mela)

Es wird dann noch ein derart netter Abend mit Feuer aus der freistehenden Waschtrommel, alten Hadern und Rassel-Instrumenten zum Mitmachen. Der absolute Renner ist Roberts rasanter Ukulele-Song „John, John the grey goose is gone“. Das Beef-tartar von Clay ist ein Gedicht und Bier gibt’s auch (in der Colaflasche war nämlich Roberts hausgemachtes Bio-Bier). Wir sind versöhnt. (mela)

Nachtrag (eric): Ich schnarch wirklich nur ganz selten :-) Das liegt dann meistens an meiner Nasenwandverkruemmung oder daran, dass ich schnarchen will. Punkt. Und was die Ziegenmilch betrifft, moechte ich ja nicht ausplaudern, wer im richtigen Moment die Milchschale unter den Ziegenfuss gestellt hat ...

Farm-Tag 3: Uff

Fr, 30.11.
Wir haben SO Muskelkater!!! Die Blasen an den Händen platzen, wir sind voller Kratzer, blauer Flecken, ausgepowert. Von den Pferden sehen wir hauptsächlich die Exkremente – wie hatten wir uns das alles noch mal vorgestellt? (mela)

Claim to Fame 1

Jaja. Kaum kommt man nach Neuseeland, trifft man Leute, die beim Herr-der-Ringe-Film mitgemacht haben. Wir kennen nun nicht nur einen Uruk-hai/Gondor-Sklaven, nein, wir dürfen vom Pferd von der Stunt-double-Frau von Arwen die Scheiße wegräumen!
Das ist jene Jane, die in den Specials von der Extended Edition vom zweiten Teil so gerührt erzählt, dass Viggo Mortensen ihr das weiße Pferd gekauft hat. Und die ist die Freundin von Debbie! Und die kriegt grade ein Kind und hat eines ihrer Pferde (den dunkelbraunen Chico) hier abgestellt, damit Debbies Franny nicht so allein ist. Oh Mann. Wir geben euch ein Autogramm von uns, wenn wir wieder daheim sind.

Farm-Tag 2: Working in the coal-mine

Do, 29.11.
Unsere Entwicklung zu rindfleisch-zähen, sonnengegerbten, verhornten, ausgezehrten und doch muskel-gestählten Arbeitsviechern ist bereits veritabel fortgeschritten. Mela hat gebulldozert – mit dem Traktor –, sodass aus komplett verwachsenen, gleichmäßig ansteigenden drei Metern neben der Gartenhütte eine bloßerdige Geländestufe mit zwei Plateaus geworden ist. (Danach die Batterie ausgeleert, weil vergessen, den Schlüssel auf „Off“ zu drehen – peinlich.) Auch Schaufeln kamen reichlich zum Einsatz. Wasserschlauch-Gräben wurden gezogen (mit dem Pickel) und samt Schlauch wieder zugeschüttet. Dazu muss man sagen, dass sich das Ganze mehr wie Strandbuddeln anfühlt, weil der Boden hier komplett aus Sand besteht. Heute kommt eine neue Aufgabe dazu: Grünes Gold sammeln. Dazu begibt man sich auf die Pferdekoppel und schaufelt reinsten, feinsten Tausend-Fliegen-Dung in die Scheibtruhe. Was zwei Pferde in drei Tagen sch...en können! Die Natur steckt voller Wunder. (mela)

Farm-Tag 1: Ein leicht über-wärmtes Welcome

Mi, 28.11.
Wir sind sicher nicht die besten WWOOFer der Welt. Aber wir haben es immerhin geschafft, am ersten Abend allein zuhaus einen Feueralarm auszulösen.
Tja. Debbie hatte eben zu wenig Zeit, das Lasagne-Faschierte lang genug einzukochen und dann kam noch Spinat rein, sodass das Ding enorm gesaftelt hat. Wir Guten schöpfen mit dem Esslöffel ab und ab, bevor wir’s in den Ofen schieben. Mela geht derweil unter die Dusche (wir haben schließlich schon einen Nachmittag lang Erdbewegungen veranstaltet), seift sich ein, erschnuppert zwischendurch ein wenig Brandelgeruch, da beginnt’s zu biepen, mit rund 132 Dezibel. Mela kreischt: Eric!, rennt (nackig und eingeseift) raus ins Küchen-Wohnzimmer. Es raucht wie Sau. Die Lasagne ist im Herd übergegangen, am Boden hat sich ein See formiert und eingebrannt. Eric hat den Ofen aufgemacht zum Ausrauchen, da geht dieses Bieper-Ding los. Direkt vor dem Kastl stürzt das Gehör steil ab. Wir drücken hektisch sinnlose Kombinationen auf der Tastatur, stets mit einem Ohr nach draußen horchend, ob eine Feuerwehr-Sirene anmarschiert, die dann ein Mördergeld für ihren falschen Einsatz verlangen würde; mit dem anderen, ob unsere Tippserei vielleicht doch fruchtet. Beides vergeblich. Der Ohrentaub-Biep lief sicher 5 elendslange Minuten, dann war’s ruhig. Und blieb auch so. Debbie hat’s wenig gekümmert, außer, dass die Lasagne jetzt noch eine halbe Stunde zu backen hatte. (mela)

Sonntag, 2. Dezember 2007

„Die Welt muss bevölkert werden“

Auf diesem konventionellen Wege möchten wir unserer Freude Ausdruck verleihen, dass Frau Katja Schinko und Herr Richard Fischer seit vorgestern Abend einen strammen Max ihr Eigen nennen können. Aus sicherer (weil väterlicher) Quelle konnten wir erfahren, dass alles den gewohnten Lauf nehmend zur Zufriedenheit aller Parteien vonstatten ging – soweit dies zu beurteilen ist.
Liebe Kati, lieber Richard, lieber Max!
Herzlichen Glückwunsch zur Geburt. Wir wünschen euch alles Gute mit eurem neuen Honey (s. Bild, geschossen in der Stadt Katikati) und hoffen, dass wir schon im Februar alle gemeinsam einen heben gehen können.
Eric und Mela

Nachtrag

Außerdem lügt der Kerl wie gedruckt. Und ich muss immer die faden Sachen schreiben – wo wir waren und was wir gemacht haben und er denkt sich da einfach irgendwas aus, was gar nicht stimmt und heimst dafür das ganze Lob ein. (mela)
Nachtrag zum Nachtrag: Es gab kein Abenteuer in Taupo. (mela)
Nachtrag zum Nachtrag des Nachtrags: Es gab da sehr wohl ein Abenteuer in Taupo, aber die Mela hat es wieder mal vergessen oder einfach übersehen. Taupo ist nämlich alsa ganzes eine Chaldera, was soviel heißt, dass das alles eine gaaanz große Platte mit Lava drunter ist (oder so). Also wenn das kein heisses Abenteuer ist ... Also wirklich ... Also ... (eric)

Extremsport


Mo, 26.11.
Dass Neuseeländer eine Macke in Richtung verrückter Fun-Sportarten haben, ist ja bekannt. Sie werfen sich von Türmen, Brücken, Flugzeugen, rollen sich in Riesenkugeln Berge runter, gern auch mit Wasser gefüllt, und überhaupt ist alles toll, was die Silben slide, ride, splash, crash oder boost enthält. Wir hingegen waren bis jetzt ja total zahme Touristen. (Berge runterrollen kostet nämlich ein Schweinegeld!) Jetzt wollen wir aber auch mal so richtig was Extremes machen. Hoho, Ärmel hoch: wir wandern!
In der großen Auswahl im Information Center suchen wir nach passenden Strecken – sprich: keine Routes (für Bergsteiger mit Pickel), keine Tracks (für gut gerüstete Geübte), auch Walks (für Leute mit etwas Fitness) sind schon ein bisschen haarig. Bleiben noch die Wege für Kinderwägen und Behinderte: Hier sind wir richtig.

Zum Cape Kidnappers geht man 10 Kilometer oder 2 Stunden, über Strand. Am Schluss gibt’s eine Steigung von wohl über 50 Höhenmetern. Huh.

Nachdem wir schon auf der Coromandel zur falschen Tageszeit im Sand nach heißen Quellen gebuddelt haben, wissen wir jetzt: Auf die Tide kommt’s an. Das Spannende hieran ist nämlich: Man muss bei Ebbe gehen, dann bleiben so 1 bis 3 Meter zwischen senkrechter Klippe und Meer.
Wir überholen ein älteres Ehepaar (aber auch nur, weil die ständig Fotos machen) und bringen den Latscher doch glatt voll zeitgerecht hinter uns. Nach 1 ½ Stunden mehrerlei Hupen, das näher kommt. Johlen. Bunte Hemden, nackte Füße, schaukelndes Gefährt: Fünf Traktoren plus Anhänger mit winkenden Schulkindern, fetten Touristen und halblustigen Trekkerfahrern, die ihren Gästen raten, uns mitzuteilen, wir wären erst auf halber Strecke ...
Wir machen Halt und jausnen, bis die Meute aus den Fahrzeugen raus und auf dem Weg ist. Blöd nur, dass die von der Anstrengung der Fahrt erst mal rasten und wir so den Aufstieg wieder fast gleichzeitig machen.
Oben stinkt’s. Schon wieder. Hier haust eine Tölpelkolonie (o.k., wir wussten davon). Immerhin reiben die Verliebten unter ihnen liebevoll die Hälse aneinander, die andern stecken ihre Köpfe unter die Flügel, bis sich jemand in sie verliebt.

Der Rückweg geht flott, abgesehen davon, dass unsere Beine irgendwie locker in ihrer Aufhängung sitzen und wir noch einen 30er-Jahre-Architektur-Besichtigungs-Walk in Napier vor uns haben.

Auf dem Weg stechen wir noch mal in ein Internet-Café und siehe da: Unsere favorisierte Host-Farm springt auf unser gut durchtüfteltes Bewerbungsmail an. Die Autorin Melissa ist begeistert, dass ihr ein österreichischer Hobbykoch ins Haus steht, sie beherbergt uns gern auf ihrer Farm im hippsten Weinort des Landes und ein paar Tage in der Stadtbleibe in Wellington – mit einem Wort: juhu. (mela)

Brrrr!

Montag, 26.11.2007
23:02 Uhr. Etwas pochte hart gegen unseren kleinen Van. Wir Unschuldslämmer schreckten aus dem wohlverdienten Schlummer hoch. Was geschah hier? Holte uns das Schaf der Gerechten? Mit vor Meeresluftfeuchte triefenden Fingern zog ich den Vorhang beiseite und schielte ins einsame Freie. Ein Strahl traf mich mit voller Wucht ... Doch nicht so schnell. Wie waren wir in diese Situation geraten? Beginnen wir einen Tag zuvor.Unser Abenteuer am Tauposee (in dem man bekanntlich „... die besten Regenbodenforellen überhaupt fängt“; Zitat William Powell in „Libeled Lady“) hatte sich zum Guten gewendet :-) und so setzten wir fest entschlossen unseren Weg fort. Die Chaldera verlassend schossen wir in unserem kleinen Japaner Richtung Osten davon und fanden uns bereits eine gute Stunde und eine ebenso gute Füllung aus unserem Ersatzbenzinkanister später in Blickweite des Pazifischen Ozeans, wo uns sich nun häufende Weingüter die Aussicht auf eine ohnehin nur mäßig brüllende Brandung verwehrten. Zu diesem Zeitpunkt war der Tag bereits weit vorangeschritten, und als wir schließlich in die Strandpromenade Napiers einfuhren, stand die Sonne so tief, dass man im Gegenlicht eine Mandoline nicht von einer Kaurimuschel hätte unterscheiden können. Aber papperlapapp! Nicht müde uns zu vergnügen, fanden wir den Weg zum höchsten Punkt der Stadt – der ehemalige Maschinengewehrstützpunkt aus dem Zweiten Weltkrieg war bereits von zwielichtigen Gestalten mit ihren Automobilen bevölkert. Wir indes ließen uns von den groovenden Neuseeländern, sich dem Suff ergebenden Australiern und vorlauten Germanen nicht stören, verzehrten unser karges Abendmahl mit etwas Rotwein, französischem Brot, Salami und italienischem Käse und genossen die Aussicht, während die untergehende Spätfrühlingssonne ein letztes Mal aufblitzte und wohlige Wellen wärmenden Windes unsere Nackenhaare neckten.Mit Hingabe wuschen wir Geschirr, Nase und Ohren und putzten Zähne. Der Lohn für diese gewissenhaft Tätigkeit zeigte sich bald, denn im Osten ging nun ein Mond auf, der in dieser Größe und Vollheit auch in den südlichen Breiten noch nie gesehen worden war. Mit Befriedigung nahmen wir dies zur Kenntnis und schliefen schon bald darauf ein – trotz Party nebenan.Sonntag, 25.11.2007, 23:02 Uhr: Ein Pochen weckte uns unsanft. Es war kälter geworden. Die Party neben uns dauerte noch immer an. Ein uniformierter Mann fragte uns unvermittelt über unsere weiteren Pläne aus, sodass wir uns zu entgegnen gezwungen sahen: „We are going to sleep here.“ Er ließ uns mit schweren Lidern verwirrt zurück.
Der nächste Morgen sah uns erfrischt und voll Tatendrang – von den Ereignissen dieses Tages künden andere Berichte (siehe Beitrag „Extremsport“). Nach vollbrachtem Tagewerk jedenfalls fanden wir uns erneut an besagtem Aussichtspunkt – diesmal allein – und feierten unsere Verwegenheit und neuen Erfahrungen mit netten Kleinigkeiten aus dem Italienerland.Mit Hingabe wuschen wir erneut Geschirr, Nase und Ohren und putzten Zähne. Diesmal jedoch hob sich kein übergroßer silberner Schild über den östlichen Horizont. Der Himmel verdunkelte sich, wie um uns zu warnen und das drohende Unheil anzukündigen. Brrr! Wir Unwissenden. Hätten wir doch die Zeichen bemerkt.
23:02 Uhr. Etwas pochte hart gegen unseren kleinen Van. Wir Unschuldslämmer schreckten aus dem wohlverdienten Schlummer hoch. Was geschah hier? Holte uns das Schaf der Gerechten? Mit vor Meeresluftfeuchte triefenden Fingern zog ich den Vorhang beiseite und schielte ins einsame Freie. Ein Strahl traf mich mit voller Wucht. „Wha a’ you doin’ here? This park is closed one hour after dawn, don’t ya know? So get up and out’a here. Hurry!“ Der Wächter nahm nun erst gnädig seine Taschenlampe aus meinem Gesicht. Ich schlüpfte eilig in meine Hose und über die Lehne des Vordersitzes und wir machten uns vom Acker.
Tja, was an einem Tag geduldet wird, kann schon am nächsten ein totaler Fauxpas sein. (Total spannende Geschichte, oder?) (eric)

We are staying overnight, thank you

Unser japanischer Untersatz bereitet uns ja wirklich Freude: läuft brav, ist voll ausgeteppicht, hat den Mörder-Einschlag und zudem recht spechteldichte Bügelfaltenvorhänge. Wir nennen ihn Akira. Für mich selbstverständlich nach Kurosawa, für Eric nach dem Comic. So hat jeder was davon.
Die Aufblasmatratze hat nach zwei Nächten ausgedient: Man liegt so hoch wie aufgebahrt, wabert rum wie am Wasserbett und rundum quietscht’s, weil die Ränder anstoßen ... Die Umlege-Sitze sind außerdem wirklich bequem. Hauptsache, Eric hat sich geweigert, sie auch nur einmal probezuschlafen vor dem Matratzenkauf ... grummel!
Na, jedenfalls sind so Autoschlaf-Übernachtungen immer spannend, à la Forrest Gump: Man weiß nie, was man kriegt. Feinste Wiese gleich am Meer (weil man nächtens das Verbotsschild übersehen hat, tja), Schotter-Ausweiche neben mehr oder minder befahrener Straße, Autobahn-Rastplatz (ein Hauch von Schmuddel und selten ohne Mit- bzw. Nebenschläfer) ... oder aber man möchte einfach von Halbinsel A durch Stadt B ins freie Land hinaus, auf einer kartenbekannten Brückenverbindung, deren Zufahrtsstraße allerdings kleiner und kleiner wird, die Besiedlung schütter; es geht plötzlich bergab, die Schweinwerfer streifen ein Warnschild: „Road ends“ – und schon steht man vor einer quergestellten Leitplanke, dahinter noch 5 m Wiese und ab ins Wasser.
O.k., dann soll es wohl so sein, dass wir auf diesem Sackgassen-Umkehrplatz übernachten. Dass die Jugendclique vom Nachbarhaus bis in die Nacht grölend feiert und Alcopops-Flaschen ums Auto wirft – was soll’s. Uns bleiben immer noch Akiras Vorhänge.

Dead Marshes


Sa, 24.11.
Hier stinkt’s. Der meistbesuchte Ort des Landes stinkt nach faulen Eiern. Dafür kann man sich im Stadtpark die Füße warm waschen (längst fällig)
und durch die Totensümpfe stromern.
Neben dem Gemüsemarkt tun sich kochschlammblubbernde Abgründe auf und fette Hobbits scheiben Palantíri vor kolonialen Kurhäusern.
Innendrin gibt’s Museumskino: live dabei beim großen Vulkanausbruch von 1887, inklusive gerüttelten Sitzbänken. Es steigt Rauch auf über dem See, es brodelt und blubbert, Gras ist gelb verschwefelt. Die Maoris hier haben sich bekehren lassen und ihre christliche Kirche fein ausgeschnitzt. In ein Fenster ist Jesus eingeritzt, frei schwebend auf seinen zwei Barfüßen – bis man checkt, dass dahinter draußen der See liegt und der Erlöser nach einem Spaziergang auf dem Schwefelwasser gerade Land entert ... (mela)

Fruit Loose

Neuseeland ist sicher nicht der einzige Staat der Welt, der sich begehbares Obst auf die Straßenkreuzung stellt – aber sicher das einzige kunterbunte Kiwi-Land ... (mela)

Where the road may take you

Do, 22.11. Nach mehreren Berg- und Talwertungen der Coromandel landen wir an einem wirklich schniek- & piekfeinen Ort: Tairua. Der Rasen ist englisch, Sitzgruppen allüberall, und so brutzelt Eric im Park ein Schmorgemüse heraus, während glorios die Sonne unters Meer geht und den erwähnten Weißen zum Leuchten bringt.
Die Straßen waren ja wirklich „scenic“, also mit herrlichen Ausblicken – aber dasselbe in 3-facher Länge können wir uns im Moment nicht vorstellen; so werden wir das weitgehend touristenfreie East Cape auch von uns freihalten. Aber wir telefonieren. Ein, zwei Wochen vorher sollten wir uns melden, um einen Farmplatz zu bekommen, hieß es. Na klasse: Jetzt wähle ich schon die zehnte Nummer (und mit diesen seltsamen Telefonkarten-Sparsystemen wählt man etwa 50 Ziffern, bevor man zur eigentlichen Nummer kommt) und höre Endlos-Tuten, Anrufbeantworter, dass man belegt sei (manche für ein Jahr im Voraus) oder die Farm verkauft habe. Mühsamst. Aber dann lohnt sich’s doch: Nummer 10 hat Platz, Zeit und zwei Pferde. Wir haben uns allerdings schon so weit Richtung Süden telefoniert – die Farm liegt nur 75 km vor Wellington – dass es nun heißt: ab durch die Mitte. Meint: in die Höhle des Tourismuslöwen im Herzen der Nordinsel; das vulkanisch brodelne Rotorua. (mela)

Sonntag, 25. November 2007

Mobile Home

Unsern Van haben wir nun eingerichtet: Unter den vier Rücksitzen, die wir zum Schlafen umlegen, sind unsere Kleiderschränke. Gleich hinterm Führerhaus Küche und Bad. Obendrauf können wir eine Aufblas-Matratze legen und natürlich hat Eric auf einem Campingkocher mit zwei (in Zahlen: 2) Herdplatten bestanden, damit er uns auch auf der grünen Wiese gscheit aufkochen kann. Der Wein ist jedenfalls großartig – ein Riesenproblem halt beim weißen, dass man ihn der richtigen Genusstemperatur gemäß gleich vollständig ins eigene Innere umfüllen sollte ... (mela)

Goldgraeber

Hier war mal Goldrausch und das sieht man heute noch; in den kleinen Orten Thames und Coromandel. Ordentlich abgelegen, all das.

Coromandel

Mi, 20.11.: Nun geht’s aber auf (nach der Staubsauge) – auf die Halbinsel Coromandel, gleich rechts neben Auckland, bekannt für ihre wilde Schönheit. Die Küstensträßchen sind eng gewunden, es geht Pässe rauf und runter, grüne Hügel allenthalben.

Freitag, 23. November 2007

Finally Mazda

Mo, 19.11. Auckland
O.k. – wir schleimen uns wieder ein: war nicht so gemeint, sind die Sitten hier halt nicht gewohnt, bei uns ist das ganz anders etc. blabla. Ken kommt. Sobald wir uns die Hand schütteln, weiß ich, dass es passt mit ihm. Hab ihn auf dem falschen Fuß erwischt, sagt er. Sinngemäß zeigt er uns das Auto aber nur, wenn wir es nehmen.
Und so kaufen wir seinen „good clean van“ aus 1987 (der dringendst eine Staubsauge braucht, also bezieht sich das „clean“ hoffentlich auf seine funktionalen Teile) nach einmal rund ums Auto gehen und 2 Minuten Probefahrt. Die 1.200 Euro wechseln den Besitzer bei laufendem Motor, die Quittung ist ein Stück abgerissener Karton mit dem Preis, einer unleserlichen Unterschrift und unsere Marke: Mazda.
Wie das so ist, identifiziert man sich dann ja sekundenschnell mit einer Ware, sobald man sie mal gekauft hat. Und so ist es „unser Baby“, mit breitem Kühlergrins in Retro-Optik.

Vertrauenssache

Ein tolles Shuttle bringt uns erschwinglich zur Hostel-Tür des „Verandah’s“, einer Kauri-Holz-Villa aus 1900 – erinnert irgendwie an Freuds Wohnung – mit äußerst rührigem Manager Campell. Ihn haben wir uns ausgesucht, weil er meinte, er könne uns beim Autokaufen helfen. Das ist in Auckland nämlich ein heikles Thema. Am Backpacker Carmarket gehen die 90er-Jahre-Toyotas binnen Minuten übern Tisch, aber mit Abzocke, Gaunereien in organisiertem Stil, geschmierten Mechanikern usw. – ein Dschungel.
Campell vermittelt uns einen unahängigen car inspector, der immer wieder selbst Autos kauft und an Backpacker weiterverkauft. Also quasi Richter und Partei in einem. Hm.
Und hier kommt das erste Fettnäpfchen, kombiniert mit veritablem Kulturschock, in denen ich das Vergnügen hatte ausgiebig zu planschen. Eine hiesige Regel nämlich lautet: Misstraue keinem Neuseeländer! Das mögen sie gar nicht. Und so versetzt uns Ken, der inspector erst mal statt uns abzuholen, nachdem ich am Telefon angedeutet habe, wir würden das Auto gern kalt starten und auch einen Blick drunter werfen. Aber echt mal: Ist Gebrauchtwagenkauf die richtige Gelegenheit um mit totalem Vertrauen anzufangen?
So sitzen wir da, warten, er kommt nicht. Ich hab ihn beleidigt. Die Laune sinkt. Ich hab uns die einzige halbwegs vertrauenswürdige Autoquelle verbaut. Alles andere ist unsicher, mühsam, zeitraubend, stressig. Hier hängt immerhin auch Campbells Renommee dran und alle seine Gäste sagen, er sei schlicht super und Ken (der inspector) zwar etwas grumpy (grantig), aber ehrlich und es haben schon hunderte Leute von ihm Autos gekauft. Mir ist zum Heulen. (Und nicht nur zum.)

Finally New Zealand


So, 18.11. Auckland
Auckland ist bestimmt nicht der einzige Flughafen der Welt, an dem es gleich hinter der Personenkontrolle Gratis-Kaffee gibt. Aber sagen tun sie so.
Außerdem laufen, während man an seinem Becherchen schlürft, eifrige Such-Beagles an Security-Leinen rum und schnüffeln nach Salami und Drogen (beides gleichermaßen verboten) in den Gepäckbergen. Charmante Lösung!
Im Bild: Kunst an der angesagten Ponsonby Road, gleich neben unserm Hostel.

Samstag, 17. November 2007

Ode an mein Soventol!

Ein Hoch dem Soventol,
Ob Sonnenbrand, ob Sohl-
Bestechung durch die Mücken,
Immer sollst du dich bestücken,
Mit jenem feinen Heilemittel,
Das vermischt zu einem Drittel
Mit geronn’nem Hühnerblut
Touristenhäuten tut so gut.
Hoch, hoch, hoch!
(eric; mit Wiener Dialekt vorzutragen)

(Ob hier ein Einfluss von Chaucer oder den Fanta4 vorliegt, ist in der Forschung umstritten.) mela

A Short Rest

Aber man macht dann doch „Uff“, wenn man das daheimelige Dach erreicht, und fühlt sich vom Wetter für heute ausreichend vera....t. Zum Glück ist Varas sitting room extrem bequem. Vor der Terasse liegen drei Inseln und die Lagune von Muri Beach. Der Wind ist seit unserer Ankunft konstant lebhaft, auch wenn das nicht unbedingt typisch für die Gegend ist, sagt der Obstmann. Die Sonne ist auch etwas anstrengend heute. Gähn! Jetzt gehen wir noch kajaken in der Lagune und morgen geht’s schon nach Neuseeland. (mela)